9. August 2017

 

Deutschlandfunk

Martin Luther in Amerika

Nur jeder zweite Protestant in den USA weiß, wer der Reformator eigentlich war, sagt eine Pew-Studie. Welche Bedeutung hat Martin Luther heute im Land der Puritaner?

Der Gottesdienst nähert sich dem Höhepunkt in der Atlanta West Pentecostal Church, einer der größten Pfingstler-Kirchen im Süden der USA. Unter grellem Scheinwerferlicht fegt der Prediger über die Bühne wie ein Rockstar, die Gemeindemitglieder strömen nach vorne, reißen die Arme in die Höhe. Zungenrede, Tanz und Anrufung des Heiligen Geistes: Der Pfingstler-Gottesdienst scheint in Stil und Inhalt weit von dem entfernt, was man gemeinhin mit Martin Luther und der Reformation verbindet.

Martin Luther in Amerika: Nur etwa die Hälfte aller Protestanten in den USA wissen, wer der Reformator wirklich war. Zu diesem Ergebnis kam vor einigen Jahren eine Studie des renommierten Pew-Instituts. Doch wen wundert's. Dieser Luther, der vor 500 Jahren in einer kleinen deutschen Universitätsstadt als Professor wirkte, ist weit weg für jemand, der 2017 in den USA lebt.

 

 

 

 

5. August 2017

 

Deutschlandfunk

Schmerz, Stigma, Schweigen

Jeder dritte Amerikaner nimmt opioidhaltige Schmerzmittel, viele rutschen in die Abhängigkeit. Die Drogen-Epidemie ist längst zu einer politischen Priorität geworden. Besuch in einer Drogenklinik im Bundesstaat Georgia.

Jeden Morgen tritt Patient 279 an das Fenster für die Medikamentenausgabe. Er spricht mit der Krankenschwester über die brütende Hitze, das Baseballspiel vom Vorabend, oder das neue Café am Ende der Straße. Worüber man eben so spricht in einer Kleinstadt wie Chatsworth im nördlichen Zipfel von Georgia. Dann reicht die Schwester ihm ein Fläschchen mit einer giftgelben Flüssigkeit.

Patient Nummer 279 ist opioidabhängig und macht seit Oktober vergangenem Jahres eine Methadon-Ersatztherapie. Er ist eines von vielen Gesichtern einer Epidemie, die seit der Jahrtausendwende in den USA wütet. Mehr als 33.000 Amerikaner starben 2015 an einer Überdosis der Rausch- und Schmerzmittel, heißt es in einem Bericht der Gesundheitsbehörde CDC, mehr als je zuvor. Und die Zahlen steigen weiter.

 

 
 

4. August 2017

 

Deutschlandfunk

Starthilfe durch Obamacare

Keine Filialen, keine Ansprechpartner vor Ort, dafür umfangreiche Hilfe per Smartphone-App: Die US-Krankenkasse Oscar mischt den amerikanischen Versicherungsmarkt auf und macht sich trotz Trump-Regierung wenig Sorgen um die Zukunft.

"Jeder, der hier reinläuft und die Welt von Krankenhäusern und Versicherungen kennt, der sagt, dass hier eine ganz andere Energie herrscht". Mario Schlosser ist CEO von Oscar, einer Krankenkasse, die sich anfühlt wie ein Technologie-Start-up. Schlosser führt seine Besucher durch den Firmensitz im New Yorker Szeneviertel Soho, ein Loft mit Holzfußboden, weißen Wänden, roten Heizungsrohren und Pingpong-Tischen.

Schlosser ist Informatiker, kommt ursprünglich aus Hessen, studierte an den Edeluniversitäten Stanford und Harvard und gründete Oscar 2012. Das Ziel: Oscar soll eine Krankenkasse mit Erlebniswert sein, eine Krankenkasse, die so einfach funktioniert wie ein Musikstreaming-Dienst.

 

 
 

20. Juli 2017

 

Jüdische Allgemeine

Löcher im sozialen Netz

In einer Klinik in Atlanta behandeln Zahnärzte ehrenamtlich Patienten, die sich keine Krankenversicherung leisten können

Auf dem kleinen Parkplatz vor dem einstöckigen, beige-grauen Gebäude an der belebten 14. Straße ist kaum ein Quadratmeter Asphalt frei. Im Wartezimmer sitzen die Patienten dicht gedrängt, auch jede der 16 Behandlungskabinen ist besetzt. Ob Karies oder Kronen, Wurzelbehandlung oder Weisheitszähne, Gebiss oder Implantat: Hier in der Ben-Massell-Klinik in der Innenstadt von Atlanta gibt es Hilfe für fast jedes Zahnleiden. Ein ganz normaler Vormittag – aber keine normale Zahnarztpraxis.

»Bei uns bekommen bedürftige Menschen ohne Krankenversicherung eine kostenlose und hochwertige Zahnbehandlung«, sagt Klinikdirektor Keith Kirshner. Die Dienstleistung der Ben-Massell-Ambulanz, vor 106 Jahren von einer Gruppe jüdischer Zahnärzte gegründet, könnte demnächst noch stärker gefragt sein, als es bereits heute der Fall ist.

 

 

8. Juli 2017

 

Der Tagesspiegel

Eine Krankenkasse zwischen Obama und Trump

Das New Yorker Startup Oscar mischt den US-Versicherungsmarkt auf. Der Chef ist ein Deutscher mit gutem Draht ins Weiße Haus.

Mario Schlosser ist es gewohnt, Besucher durch seine Firma zu führen. Er schlendert lässig durch die sechste Etage eines wuchtigen Backsteinbaus im New Yorker Viertel Soho, durch ein Büro-Loft mit weißen Wänden und hohen Decken und gelben Stühlen. Zwischen Ping-Pong-Tischen und Cafeteria sitzen junge Menschen mit großen Kopfhörern vor silberfarbenen Laptops.

Was sich anfühlt wie ein Technologie-Startup, ist tatsächlich: eine Krankenkasse. „Jeder, der die Welt von Versicherungen kennt, sagt, dass bei uns eine ganz andere Energie herrscht“, sagt Schlosser, eine Hand in der Tasche seiner Jeans.

Oscar – so heißt die fröhliche Firma – mischt seit 2012 den amerikanischen Versicherungsmarkt auf. Es gibt keine Makler, keine Vertreter, keine Filialen; der Kontakt mit den Versicherten ist digital, interaktiv, nutzerfreundlich. Es ist eine Krankenkasse, die offenbar keine Angst vor einer möglichen Abschaffung von Obamacare hat, dem Gesundheitsgesetz des früheren Präsidenten.