20. November 2017

 

Deutschlandfunk

Sexueller Verfolgungswahn auf dem Uni-Campus

Die linksliberale amerikanische Feministin Laura Kipnis hat ein ebenso brillantes wie umstrittenes Buch über die amerikanische College-Kultur geschrieben. "Unwanted Advances", zu Deutsch: Unerwünschte Annäherungsversuche, liest sich wie eine Vorrede zu der "MeToo"-Debatte. 

Jeden Tag macht ein neuer Fall von sexueller Belästigung Schlagzeilen, outen sich mehr Frauen als Opfer sexueller Übergriffe. Die "MeToo"-Welle ist aus den USA in die Welt geschwappt. Wer Einspruch wagt, bekommt den moralischen Furor der sozialen Medien zu spüren. So auch Laura Kipnis. Sie sagt: Das Problem der "MeToo"-Kampagne sei die Behauptung, dass es bei sexueller Belästigung stets um männliche Machtausübung gehe. "Das führt dazu, dass Frauen Männer oft für mächtiger halten als sie es tatsächlich sind."

 

 
 

12.11.2017

 

Welt am Sonntag

Die Familie, die Amerika süchtig machte

Die Pharmadynastie Sackler produziert mit OxyContin ein Medikament, das ursprünglich Schmerzen stillen sollte, tatsächlich aber als Rauschmittel auf Rezept genutzt wird. Nun sind Millionen Amerikaner abhängig.

Am Anfang war ein Hexenschuss. Coralee, 32, Erzieherin in einem Kindergarten, hatte sich bei der Arbeit verhoben. Sie ging in die Notaufnahme des nächsten Krankenhauses, 25 Meilen von dem 400-Seelen-Nest im Süden des US-Bundesstaates Georgia entfernt, wo sie mit ihrem Mann und zwei Kindern lebt.

Der Arzt verschrieb ihr ein paar Tage Ruhe und 30 Pillen OxyContin, ein morphinhaltiges Schmerzmittel. Das half ihr, wieder gerade zu gehen, und auch sonst fühlte sie sich leichter. „Irgendwie sorgenbefreit“, sagt sie. Das ist jetzt drei Jahre her. Seitdem gehören die „Oxys“, wie sie die Pillen nennt, zu ihrem Leben.

 

 

24. Oktober 2017

 

Deutschlandfunk

Die betäubte Nation

Es begann in den 90ern, als in den USA plötzlich viel mehr Schmerzmittel verschrieben wurden. Heute wütet dort eine Opioid-Epidemie, vor allem auf dem Land. Knapp 100 Menschen sterben täglich an einer Überdosis von Schmerzmitteln. Damit sich das ändert, müssten Ärzte und Pharmaindustrie umdenken.

Angstattacken, Kreislaufkollaps, Herzstillstand: Menschen, die mit schweren Entzugserscheinungen oder einer Drogen-Überdosis in die Notaufnahme eingeliefert werden, gehören zum traurigen Alltag in Baxley, einer Kleinstadt mit gut 4.000 Einwohnern im Südwesten des Bundesstaates Georgia. Und nicht nur in Baxley ist das so, an vielen anderen Orten in den USA ist es ähnlich.

Knapp 100 Menschen sterben jeden Tag an der Opioid-Epidemie, die seit der Jahrtausendwende in Amerika wütet. Opioide, das sind morphinhaltige Substanzen wie Heroin, aber auch Schmerzmittel wie Oxycodon, Hydrocodon und das Betäubungsmittel Fentanyl, dessen Suchtpotenzial 50 bis 100 Mal höher ist als Heroin.

 

 
 

16. Oktober 2017

 

Die Welt

Es gibt kein gesundes Übergewicht – im Gegenteil!

Wer dick ist, lebt gefährlich. Das belegen Studien, die sich mit Fettleibigkeit beschäftigen. Auch in Europa haben zu viele Menschen Übergewicht. Besonders dramatisch: der Zusammenhang mit Krebs.

Dr. Carmen Klass kämpft um jedes Pfund, geduldig, beharrlich und jeden Tag aufs Neue. Nicht mit sich selbst – die Onkologin und Hämatologin aus einem Vorort von Atlanta im Bundesstaat Georgia ist schlank, drahtig und flink. Sie kämpft um die Pfunde ihrer Patienten.

Übergewicht und Fettleibigkeit, im Medizinerjargon Adipositas, sind zu einer globalen Epidemie geworden. Mehr als 10 Prozent der Weltbevölkerung ist fettleibig, fand eine von der Gates-Stiftung geförderte Studie der Universität von Washington in Seattle heraus.

Die USA nehmen dabei einen zweifelhaften Spitzenplatz ein: Die Zahl von extrem übergewichtigen Erwachsenen und Kindern ist hier seit 1980 um 16 Prozent angestiegen, mehr als in jedem anderen Land.

 

 

28. September 2017

 

Jüdische Allgemeine

Der stille Rebell

Josh Kushner ist der Bruder des Trump-Schwiegersohns. Politisch liegt er auf anderer Linie und setzt auf Obamacare

Josh Kushner ist einer, der lieber zuhört als redet. Der lieber beobachtet als das Wort führt. Der das Rampenlicht eher meidet als sucht. Das funktionierte auch ganz gut, bis zur Nacht vom 8. auf den 9. November 2016, der Wahlnacht in Amerika. Seither steht Josh Kushner vor einem öffentlichen Dilemma und einem persönlichen Konflikt, der das Zeug für ein Drehbuch à la Hollywood hat.

Joshua Kushner, 32, ist Chef der Wagniskapitalfirma Thrive Capital und Mitgründer des digitalen Krankenkassen-Start-ups Oscar Health, das im Windschatten von Obamacare entstand, der Gesundheitsreform des früheren US-Präsidenten. Außerdem steht er, wie er mehrfach erklärte, den Demokraten nahe.

Josh Kushner ist aber auch der jüngere Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn und Berater von Donald Trump.