4. Juni 2017

 

Welt am Sonntag

„Die Kohle-Industrie stirbt – egal, was Trump sagt“

Die ökologischen Folgen des Klimaschutz-Ausstiegs halten US-Wissenschaftler für verkraftbar. Doch sie warnen davor, wirtschaftlich zurückzufallen – und Europa und China ein Geschenk zu machen.

Kaum jemand war entsetzter von Donald Trumps Aufkündigung des Pariser Klima-Abkommens als Amerikas Ökologen. „Ein erstaunliches Konzentrat aus den Argumenten der Klima-Leugner und der Kohle-Lobby“ - so beschrieb US-Klimaforscher Benjamin Santer die Rede des Präsidenten im Rosengarten des Weißen Hauses.

Lawrence Krauss geht indes nicht davon aus, dass sich Trump bei seiner jüngsten Entscheidung von wie auch immer verstandenen Umweltargumenten hat leiten lassen. „Das Pariser Abkommen hat keine Zähne“, sagt der bekannte Physiker und Buchautor („Ein Universum aus Nichts“) der WELT AM SONNTAG. „Die Trump-Administration hätte das Abkommen auch unterlaufen können, ohne offiziell auszutreten.“ Krauss treibt vor allem eine andere Sorge um. Trumps Ankündigung sei „ein klares Signal, dass diese Administration die weltweite Führungsrolle der USA in Technologie und Wirtschaft abgeben will“ – und zwar an China und Europa. „Das ist der sicherste Weg, zu einer zweitrangigen Macht zu werden.“

 

 

29. Mai 2017

 

Deutschlandfunk

Progressiv und Konservativ

Afroamerikaner gelten traditionell als religiöser als ihre weißen Landsleute in den USA. Und schon immer ging es in den schwarzen Kirchengemeinden um Fragen von Gerechtigkeit und Freiheit. Das ist bis heute so: Viele Prediger scheuen sich nicht, die Tagespolitik zornig von der Kanzel zu kommentieren.

"Elija is worshipping the God of Moses, rather than the God of Mar-a-Lago …" Der biblische Prophet Elija betete zum Gott von Mose - und nicht zum Gott von Mar-a-Lago, dem protzigen Anwesen von US-Präsident Donald Trump in Florida. So wetterte Raphael Warnock, Pastor an der Ebenezer Baptist Church in Atlanta, in seiner Sonntagspredigt.

Kirchen spielen in den USA seit jeher eine gesellschaftliche Schlüsselrolle: Sie sind Heimat und Schutzraum, Begegnungsstätte und Wohlfahrtsorganisation. Besonders afroamerikanische Kirchen verstehen sich als wichtige Plattformen im Kampf für soziale Gerechtigkeit.

 

 
 

14. Mai 2017

 

Welt am Sonntag

Die Vampir-Therapie

Frisches Blut von jungen Menschen soll das Altern aufhalten, die Geisteskraft stärken, neue Energie schenken. Anti-Aging-Forscher arbeiten daran, einen alten Mythos wahr werden zu lassen.

Altern ist eine Krankheit, davon ist Joe Lunsford überzeugt. Die Behörden und das Gesundheitssystem sollten sie offiziell anerkennen, mitsamt dieser lästigen Begleiterscheinungen, von Alzheimer bis Knochenschwund. Lunsford ist 64 und Investor für Risikoimmobilien und innovative Technologien. Er lässt sich regelmäßig junges Blut injizieren. Seine Vorsorge, sagt er. Und möglicherweise auch sein nächstes großes Geschäft.

Frisches Blut als Elixier ewiger Jugend – diese Idee treibt die Menschen seit Jahrhunderten um, sie nährt Vampir- und andere Mythen. Derzeit erlebt sie eine erstaunliche Wiederkehr, und zwar nicht als Mythos, sondern in Forschungslaboren rund um den Globus.

 

 

29. April 2017

 

Deutschlandfunk

Obamacare: Stabilisieren oder Unterminieren?

Als US-Präsident werde er die Gesundheitsreform seines Vorgängers abschaffen und ersetzen, versprach Donald Trump im Wahlkampf. Doch ein erster Versuch scheiterte schon vor der Abstimmung im Kongress.

Während die Republikaner einen neuen Anlauf vorbereiten, nutzt Gesundheitsminister Tom Price den großen Handlungsspielraum, den ihm das Amt bei der Auslegung und Umsetzung des Obamacare-Gesetzes gibt. Price kündigte bei einem Pressebriefing an, in seinem Ressort im Zweifelsfall keinen regulatorischen Stein auf dem anderen zu lassen. "Es gibt Hunderte von Bestimmungen, die von der alten Regierung in Kraft gesetzt wurden", sagte er. "Wir werden uns jede einzelne anschauen: Schadet oder nutzt sie dem Patienten? Hebt oder senkt sie die Kosten?"

 

 
 

16. März 2017

 

Deutschlandfunk

US-Repräsentantenhaus debattiert über Gesundheitsreform

Es war Donald Trumps erste Amtshandlung: Per Dekret hebelte er Obamacare, die Gesundheitsreform seines Vorgängers, aus. Doch die Frage nach einem Nachfolgemodell für Obamacare spaltet die Republikanische Partei selbst jetzt, wo ein erster Entwurf dem Repräsentantenhaus vorliegt.

Mit Deutschlandfunk-Moderator Jasper Barenberg spreche ich darüber, was über die Pläne von Trumps Parteifreunden bisher bekannt ist. So wollen die Republikaner die Versicherungspflicht abschaffen und statt dessen mehr Versicherungsanreize schaffen. Staatliche Subventionen sollen durch Steuergutschriften ersetzt werden. Ältere, wenig wohlhabende US-Amerikaner wären die Verlierer des neuen Modells. Allerdings sind diese Pläne auch innerhalb der Republikanischen Partei umstritten; manche finden sie zu radikal, anderen gehen sie nicht weit genug.